The Bell Jar (Die Glasglocke in der deutschen Übersetzung) erzählt die Geschichte von Esther Greenwood und gewährt den Lesenden einen Einblick in ihr Leben, voller Möglichkeiten und gleichzeitig, oder vielleicht genau deswegen, durchzogen von Verzweiflung, Apathie und Todeswunsch.
Sylvia Plath veröffentlichte den kurzen Roman 1962 und es blieb ihr einziger, denn die während die Figur in dem Roman mit Zügen aus Plaths eigenem Leben erfolglos versucht sich umzubringen, beendete Plath vier Wochen nach der Veröffentlichung tatsächlich ihr Leben. Die an Depressionen erkrankte Autorin hinterließ zwei Kinder und ein literarisches Werk aus Kurzgeschichten, Gedichten und diesem Roman.
Ein Zitat aus dem Buch hat es mir, wie so vielen Lesenden, besonders angetan.
Die Analogie des feigenbaums
„I saw my life branching out before me like the green fig-tree in the story. From the tip of every branch, like a fat purple fig, a wonderful future beckoned and winked. One fig was a husband and a happy home and children, and another fig was a famous poet and another fig was a brilliant professor, and another fig was Ee Gee, the amazing editor, and another fig was Europe and Africa and South America, and another fig was Constatin and Socrates and Attila and a pack of other lovers with queer names and off-beat professions, and another fig was an Olympic lady crew champion, and beyond and above these figs were many more figs I couldn’t quite make out.
I saw myself sitting in the crotch of this fig-tree, starving to death, just because I couldn’t make up my mind which of the figs I would choose. I wanted each and every one of them, but choosing one meant loosing all the rest, and, as I sat there, unable to decide, the figs began to wrinkle and go black, and, one by one, they plopped to the ground at my feet.“
The Bell Jar von Sylvia Plath, S. 73
Die Erzählerin sitzt am Fuße eines Feigenbaumes, gelähmt aufgrund der vielen Feigen, die dieser trägt. Jede stellt eine andere blühende Zukunft dar, aber während sie noch hadert, welche der vielen Feigen sie wählen soll, fallen diese vertrocknet zu ihr auf den Boden. Ihre Chance auf eine leuchtende, glückliche Zukunft scheint verstrichen.
Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite
Ob Plaths Charakter sich nicht entscheiden kann, da sie so gelähmt ist, oder ob sie so gelähmt ist, da sie sich nicht entscheiden kann, bleibt offen. Ein pessimistischer Blick in die Zukunft und Gedankenspiralen, die jede Handlung unmöglich erscheinen lassen, sind jedoch typisch für eine Depression. Während alles erstrebenswert wirken mag, ist es das nur, so lange man es nicht erreicht. Durch das Erreichen eines Zieles verschwindet die Depression nicht, denn ohne Hilfe bleibt das Unglück bestehen, auch wenn sich die Umstände ändern und die Kraft die Umstände zu ändern ist ohne die richtige Hilfe (nicht die zu Plaths Lebzeiten übliche Elektroschocktherapie) nicht vorhanden. Die Freiheit der glückbringenden Wahl bleibt eine Illusion. Würde sie eine der Feigen essen, gäbe es sicherlich immer noch eine andere, die in ihrer Vorstellung süßer schmecken würde.
Feigen für alle
Sitzt jeder in seinem Leben unter solch einem Feigenbaum? Klar ist, dass man oft Abstriche machen muss, um ein Ziel zu erreichen. Alle Feigen kann man nie essen. Doch noch viel entscheidender ist, wie erreichbar die Feigen eigentlich sind. Manch eine kann nicht nach ihnen greifen, weil sie krank ist und andere haben nicht das Geld für eine Leiter. Während die Leiter immer teurer wird und das Geld immer knapper, stopfen sich einige wenige die Taschen voll und andere gehen leer aus. Unsere Stand- und Startpunkte im Leben entscheiden auch über unsere Möglichkeiten in der Zukunft. Manche Feigen bleiben für immer unerreichbar.
Lesetipps
The Bell Jar von Sylvia Plath
Zungen aus Stein von Sylvia Plath
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und ein filmtipp
Sylvia Plath – Inside the Bell Jar vom BBC

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